Countdown: Tag 0

Gelacht, geweint, geliebt, gestritten, vermisst, verlassen, verarscht, verliebt, relaxt, angestrengt, gelernt, umarmt, geküsst, gegessen, getrunken, betrunken, fantasiert, gerätselt, gehasst,…. und noch viel mehr.

Dieser Abschnitt ist vorbei und das Kapitel ist endgültig geschlossen. Italia, amore mio, ich werde dich stets lieben und wir sehen uns bald wieder, aber jetzt beginnt ein neues Kapitel! Kuss und Schluss

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Countdown: Tag 1

Und zum Abschied sag‘ ich leise Servus. Ein letzter Blick in den abendlichen Himmel. Die Koffer sind gepackt, der Vorhang fällt und die letzten Scheinwerfer gehen aus. Nun ist es also soweit: Das Kapitel wird geschlossen. Mehr als ein Jahr habt ihr mich begleitet: von den zarten Anfängen nach Italien zu gehen bis heute. Ich wische mir die letzte Träne aus dem Augenwinkel und flüstere ein leises „Ciao, grazie!“ in euer Ohr. Danke für’s Begleiten, Tipps geben und Mut machen. Danke, dass auch ihr ein Teil meiner Träume ward! Danke.

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Countdown: Tag 2

Das letzte Mal sitzen No3 und ich zusammen beim Zähneputzen auf der Bank. Er klammert extrem und als die Mama mit ihm heute zur Schule fahren wollte, wollte er, dass ich mitkomme. Ich sagte, ich kann leider nicht und er fing an zu heulen und zu betteln:“ Ich bitte dich!!!! Bitte, bitte komm mit!!!“ Viel Spaß an lamama und ilpapa, wenn ich nächste Woche nicht da bin. Es wird wahrscheinlich die Hölle!

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Definition Freunde

Ich liebe meine Freunde nicht für ihre makellose Erscheinung, ihr makelloses Wesen oder ihr makelloses Verhalten. Jeden einzelnen liebe ich für seine Schwächen, für seine Fehler, für seine unzähligen Charaktereigenschaften. Genau das macht sie nahbar. Genau das macht sie zu meinen Freunden. Wer nicht versucht seine Makel zu verstecken oder zu überdecken, sondern sich so annimmt, wie er ist, den kann auch ich so annehmen wie er ist.

Bekannte sind Personen, die versuchen, sich ständig fehlerlos darzustellen.

Freunde sind Personen, die mit mir über ihre Fehler reden und wir zusammen feststellen, dass es keine Fehler für uns sind. 🙂

Countdown: Tag 4

Eines der letzten Male Bus fahren. Was habe ich es gehasst. Mit 2 kleinen Kindern, die einen nicht verstehen, im vollen Bus. Die Kinder wollen durch die Gänge toben und schreien oder schlimmer noch: schlafen ein. Nein, das werde ich nicht vermissen. Wirklich nicht!

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Rio ’79

Von Rio hat sie erzählt. Als Rio noch mehr Sehnsucht als Selbstverständnis, mehr Leidenschaft als Pflicht und mehr Verheißung als Verdruss war. „Ganze 6 Tage sind wir damals in Rio geblieben.“ sagte sie und ihre Augen strahlten. Und während der Trolley für den ersten Service fertig gemacht und mit allerlei Säften, Bier und Sekt beladen wird, erzählt sie weiter.

Der Regenfall am Morgen im Jahr ’79 sei so schlimm gewesen, dass es das Palmendach der kleinen Strandbar vor dem Hotel abdeckte. An Mojito schlürfen in einer der überteuerten Hotelbars, hoch über den Dächern Rios, war noch gar nicht zu denken gewesen, sagte sie.

Aufbauen und das Dach neu eindecken haben sie geholfen. Die ganze Crew war dabei und half mit, obwohl müde vom 20 stündigen Flug über den Atlantik. Denn abends wollte man doch wieder Mojitos trinken, während sich die Promenade mit Einheimischen füllte und das Meer rauschte, als würde man sich eine Muschel ans Ohr halten. Aufbauen war damals noch eine Anweisung vom ersten Kapitän. Damals durfte er noch Anweisungen geben, auch in der freien Zeit vor Ort.

Abends hat die ganze Besatzung dann Samba, Salsa und Merengue getanzt, bis die Füße wund und die Kehlen trocken waren. Und dann, nach ein, zwei Mojitos, wurde der Merengue mit dem 2. Kapitän ein wenig enger und man selbst ein wenig lockerer. Der Griff des 2. Kapitäns um die eigene Taille wurde fester, leidenschaftlicher und er selbst wurde begehrenswerter. Und aus einem peinlich berührten Kichern wurde ein „Wir können doch nicht…“ und aus einem „Wir können doch nicht…“ wurde ein gehauchtes „Ist der Zimmerschlüssel in deiner Hosentasche?“. Auf sein Nicken folgte ihr selbstbewusster Griff in eben diese und ihre zarte Stewardessen Hand blieb diese eine Sekunde zu lang in seinem Schritt, auf der Suche nach dem Schlüssel.

Und als die Tür geöffnet und gleich danach in aller Eile geschlossen wurde, man sich die dünnen, teuren Stoffe von der braun gebrannten Haut streifte und man den Merengue horizontal tanzte, da hörte man noch ab und zu ein, mit gespielter Entrüstung gestöhntes „Aber, Herr Kapitän…“. Und am nächsten Morgen, als man neben dem 2. Offizier erwachte und die Sonne durch das Fenster blinzelte, lag diese Magie über Rio, die es in ihrem alten Bürojob nie gab. Ein gelangweiltes „Ihre Frau ist am Apparat. Darf ich verbinden?“ ist nun mal nicht das selbe wie ein vor Verlangen gestöhntes „Ohlala, Herr Kapitän“.

Damals im Jahre ’79 fühlte sie sich noch wie „The girl from Ipanema“ als sie am nächsten Nachmittag ihre Uniform anzog und glattstrich und ihr dunkles Haar zu einer kunstvollen Banane einrollte, um sich für den Pick-up und den Rückflug vorzubereiten. Als sie dann wieder daheim war und auf ihren nächsten Flug wartete, wusste sie, dass es genau der Job war, den sie gesucht hatte. Und jedes Mal, wenn sie den jungen Flugbegleitern erzählt, wie es damals war, ’79 in Rio, dann hört sie wieder das Meer rauschen. Und wenn sie dann mit dem 1. Service im Flugzeug beginnen und sie etwas aus der Galley holt, weil die Frischlinge vergessen haben, dass man stets etwas mehr Tomatensaft braucht, als man im Lehrgang lernt, geht sie mit diesem Hüftschwung und dem selbstbewussten Lächeln in die Galley und fühlt sich so jung und unwiderstehlich wie damals, ’79 in Rio, als der Sturm das Palmdach der Strandbar abdeckte und der Merengue horizontal getanzt wurde.